Merry Christmas

Afrikanische Weihnachten: Meine Erinnerungen 

(von John K. Muthengi)

Adventabende, an denen Kinder durch das Dorf ziehen und von ganzem Herzen singen.  Es war ein Lehrer unserer Sonntagsschule, der uns daran erinnerte, dass es Advent war und Gott zu uns auf die Erde als Mensch kommen würde. Oh, waren wir aufgeregt! Wir wollten uns auf diese Begegnung vorbereiten, wir wollten unsere Häuser und die kleine Kirche schmücken.

Das Schönste waren die Vorbereitungen zum Abend des 24. Dezembers.

Wir Dorfkinder waren unterwegs, egal zu welcher Kirche wir gehörten. Es war ein Kinderfest, ein Abendausflug. Wir freuten uns sehr auf diese Ausflüge, einfach rausgehen und aus ganzem Herzen singen, von einer Familie zur nächsten ziehend. Wir sangen einfach alle Kirchenlieder, die wir kannten, die der Methodisten, die der Heilsarmee, der Protestanten, der Katholiken. Wir sangen auch, um kleine Snacks zu sammeln, die wir am Abend des 24. aßen, wenn wir sangen, beteten und Bibelstellen lauschten, in denen Gott die Menschen besuchte!

Das alles geschah in Meru, Kenia, dem Dorf auf dem Lande, in dem ich aufwuchs. Und ratet, dies war noch aus anderen Gründen die beste Zeit des Jahres: Wir hatten die längsten Ferien des Jahres, fünf bis sechs Wochen. Und noch besser, unsere Onkel und Eltern, die in der Stadt arbeiteten, kamen nach Hause – oft das einzige Mal im Jahr!

So war Weihnachten in den 70ern, als ich noch jung und gutaussehend war 🙂  Das Geheimnis der Auferstehung hatte einen Geschmack und Geruch für mich, nämlich einen süßen. Wenn Gott zu uns Kindern kam, bedeutete dies, dass Daddy Erdbeermarmelade mitbringen würde aus der Thika-Fabrik, in der er arbeitete. Der Onkel aus Mombasa brachte eine Dose mit der Aufschrift "Milo" mit, einen Energydrink, der für uns ein Fest war. Und Tante Liz machte ihren ganz speziellen Tee, nicht zu schwach, nicht zu stark, wie meine niederländischen Freunde zu dieser Tee-Klassifikation sagen würden.

Aber alles dies war nur möglich, wenn die Familienmitglieder Arbeit hatten. Die Arbeitssituation in meinem Dorfe hat sich über die Jahre hinweg stark verbessert, seitdem sich die Bewohner dem Anbau von Bäumen gewidmet haben, deren Früchte sie verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu decken.

Zudem haben kleine einkommensgenerierende und Mikrokredit-Projekte zur Verbesserung beigetragen. Kinder können sich beim Bäumepfanzen etwas dazuverdienen und zum Ausrichten des Weihnachtsfestes beitragen ohne natürlich das Weihnachtssingen im Dorf ausfallen zu lassen.

Somit werden auch in diesem Advent die Kinder in meinem Dorf unter dem sternenklaren Himmel singen. Und am Weihnachtsmorgen des 25sten, werden die Kirchen angefüllt sein mit Musik. Viele Häuser werden mit Petroleum- und Öllampen beleuchtet sein und es wird wunderbar nach Chapatti (dünner Fladen aus Weizenmehl) und traditioneller Hühnersuppe und -eintopf riechen. So werden wir das Messiah-Kind willkommen heißen, unseren Herrn Jesus Christus, mit Pomp und Jubilate.  

Die Auferstehung wird sich wieder in Tönen und wunderbarem Duft und Geschmack zeigen in vielen unserer Dörfer. 

Danke für die kleinen Projekte, die unseren Familien es möglich machen, zu leben und zu feiern.
Danke an die Mikrokreditinitiative und an Heike mit ihrem Team in Deutschland und Kenia.
Danke Dir, Gott, danke dem Himmel, Mutter Erde und Danke Euch allen.

Fröhliche Weihnachten und ein gutes Jahr 2015!

Fr. John K. Muthengi, CP

Researcher: Eco-Theology
Rom, Italien
Übersetzung: Martina Schermer

Father John Muthengi, hier im Foto links mit Father Leonard Okuku, studiert gerade in Rom. Er betreibt zur Zeit wissenschaftliche Studien im Bereich Ökologie und forscht über die kenianische Professorin und Nobelpreisträgerin Wangari Muta Maathai.

JohnLeo

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben